Mich kennen lernen?

Kurz:

Genetik/Aufzucht: Mutter, Zweit- und Drittmutter; Vater, Zweit- und Drittvater

Bildung: Friederika-Volkschule, Graf-Engelbert-Gymnasium, Ruhr-Uni-Bochum, Freie Uni-Berlin

Berufe, ausgeübt: Regisseur, Autor, Soziologe, Theater-, Marketing- und Unternehmensberatung

Steuerliche Veranlagungen: Selbständig und Freiberuflich

Kontinente, betreten: Europa, Amerika

Etwas länger…

Meine Biographie ist ziemlich bunt. Ich habe viel ausprobiert, aber das allermeiste gerne gemacht.

Zunächst bin ich – wenig überraschend – in die Schule gegangen. Das habe ich gar nicht gerne gemacht. Wir wurden nie Freunde, kamen auf keinen gemeinsamen Nenner und waren uns allesfarbig, aber nicht grün.

Die Eltern belasteten mich mit Theater.

sylvester_schmidt
Mein leiblicher Vater Sylvester Schmidt ca. 1957

Meine Eltern lernten sich als Schauspieler am Schauspielhaus Bochum kennen. Verliebt, verlobt, verheiratet zeugten sie mich und zeigten mir später Werkstätten, Lampen, Kontergewichte und was sonst noch alles dem gemeinen Theaterbesucher verborgen bleibt.

Es war für mich selbstverständlich über die Bühne in die gegenüberliegenden Gassen zu gehen – leider auch einmal, als der Lappen aufgezogen wurde. Der unachtsame Inspizient mochte mich fortan ebenso gerne wie ich die Schule; es könnte der Herr unten rechts gewesen sein…

Auf gleicher Etage unserer Wohnung in der Saladin-Schmitt-Straße wohnte der langjährige Technische Leiter des Schauspielhaus Bochum – Josef Graf, mein Zweitvater.

Josef Graf Schauspielhaus Bochum
Mein Zweitvater, rechts, im Schauspielhaus Bochum am Inspizientenpult, ca. 1967

Ihm verdanke ich die Offenheit allem Technischen gegenüber.

Seine chique Frau war meine Zweitmutter. Sie hauchte mir weit- und weltläufigen Flair ein. Meine Drittmutter eine Etage tiefer hatte mir bereits vor der Schule lesen und schreiben beigebracht. Erstaunliche Frauen alle drei!

Friedels Fünfzigster 1972
Meine drei Mütter: links die „Richtige“, in der Mitte Zweitmutter Martha Graf, rechts Drittmutter Annemarie Biermann,

Dass meine Mutter ihre alte Erdkundelehrerin, „Frollein“ Meschede, neben ihr wohnen hatte, erfüllte sie mit der Angst, sie auf eine Reise an den Polarkreis begleiten zu müssen, was sie ihr in der Schulzeit versprochen hatte. Mit dem erkundlichen Eingang in die Jagdgründe schwand diese Angst.

Ich floh der Schule so schnell ich konnte, um im Dunkel des Theaters zu verschwinden. Professor Hans Schalla war der Nachfolgeintendant von Saladin Schmitt. Mit fünf Jahren lernte ich auf seinem Schoß sitzend, wie man mit einer Stütze genannten Atemtechnik mühelos laut sein konnte, ohne die Stimmbänder zu ruinieren. Sylvester, rief er goldig über sein Vollmundgesicht strahlend, dein Sohn wird Schauspieler.

Das stimmte nicht.

Stattdessen wuchs ein leicht kaufmännischer Sinn in mir durch den Drittvater Herbert Legge heran. Durch ihn lernte ich, das Swingtitel wie „Pennies from Heaven“ erlogen waren und der Glaube an Geld keineswegs zu seiner Erlangung ausreichend beitrug.

Unternehmerstammtisch bei Willi Fonnell - "Haus Dingel"
Drittvater Herbert Legge, rechts, beim freitäglichen Unternehmerstammtisch bei Willi Fonnell – „Haus Dingel“. Die Herren achten längst nicht mehr auf den korrekten Sitz des Tischtuchs.

Ich erkannte früh meine Beschränktheit im komischen Fach. Die Vorbilder wie Martin Held erdrückten mich. Und wenn ich einmal einigermaßen „gut“ auf einer Bühne war, dann reichte es mir lange nicht.

So merkte ich, dass mir das Nörgeln lag. Also, interessierte ich mich als Beisitzender für die Regie.

Der Rest ist schnell erzählt.

Nach vier, fünf Jahren hatte ich mit etwa Neunzehn alles aufgesogen, wenig verstanden und konnte so gut wie nichts umsetzen. In der Regieblüte früh verwelkt, beschloss ich ein Studium anzugehen.

Die Soziologie bot sich für mich an, weil sie sich mit Beziehungen im Großen, während sich Theaterstücke mit den Beziehungen der Menschen im Kleinen beschäftigen. Außerdem wollte ich mir nicht – wie man das aus Deutschunterrichten kennt! – durch Theaterwissenschaften das Theater austreiben lassen.

Ich zog nach dem Studium wegen der geplanten Doktorarbeit nach Berlin, wurde jedoch gefragt, ob ich nicht ein kleines Theater mit gründen und -leiten wollte. Ich wollte, war es doch direkt über dem „Max und Moritz“ in der Oranienstraße gelegen und eine traditionelles Kleinkunstbühne gewesen. Gleich dachte ich an Kindertheater.

>> Hier folgt noch ein Spielplan <<

Kurze Zeit später merkte der Vermieter, wie man auf einfache Weise den Erfolg anderer durch unverhältnismäßige Erhöhung aller Unkosten zunichte machen konnte. Sein parasitäres Verhalten führte zu Aufgabe eines kleinen Theaters, das neben dem Kindertheater auch einige Kleinkunstpreisträger hervorgebracht hatte.

Als Diplomsoziologe habe ich auch tatsächlich einmal einige Jahre nach der Wiedervereinigung gearbeitet und konnte unter anderem darüber Auskunft erteilen, wer in den neu zu schaffenden Kulturverwaltungen in den neuen Bundesländern arbeitete.  Weil ich in dieser Zeit eine Werbeagentur hatte, gestalteten wir die dazu erschienene Buchreihe gleich selbst.

SLC Schreibtisch
Gründungsgesellschafter bei SLC, Full-Service-Agentur, 1991 (bemerkenswert der Hinterkopfhaarwirbel)

Unternehmensberater war ich auch. Ich entwickelte ein Gespür für cash flow, Bilanzen lesen und Stückpreisentwicklungen. Machte aber auf nicht so viel Spaß, wie ich mir vorstellte. So blieb Marketing übrig.

An ein sogenanntes festes Haus in die Hochkultur wollte ich nicht mehr zurück. Die Spielchen entscheidungsarmer Intendanten, die ihre Vorlieben durch das KBB durchsetzten, waren nichts für mich.

Ich heiratete und gründete aus überzeugter Verzweiflung mit ihr das „Berliner KinderTheater. Fünfunddreißig Jahre alt ist es heuer und immer noch steckt in ihm keine fremde Mark oder auch kein fremder Euro.

Mit Fünfundvierzig wollte ich spätestens den „Kirschgarten“ inszeniert haben. Mit Fünfzig sollte „Der Sturm“ folgen. Die Kirschblüten sind längst abgefallen, der Sturm verzogen.

t.b.c.