Das Jobcenter und ich

Aufgrund der Pandemielage beschloss die Bundesregierung nach etlichen Interventionen aus dem Kulturbereich eine vereinfachte Beantragung zur Grundsicherung über die Jobcenter-

Es folgte aufgrund des winterlichen Shutdowns 2020 eine Verlängerung dieser Maßnahme bis Ende 2021.

Infolge dieser Beantragung kam es am 18. September 2020 um 14 h zu einem persönlichem Gespräch mit Herrn Cetin im JC in der Mainzer Straße; vorausgegangen waren zwei einleitende Telefonate mit Herrn Cetin und Herrn Wiosna (1.09.20).

In diesen Gesprächen legte ich meine freiberufliche Situation aufgrund der Pandemielage dar.

Daraufhin folgten weitere, halbjährliche Bewilligungen und nachfolgendes Schreiben:

Das Gesprächsprotokoll gibt den schwer nachvollziehbaren Verlauf wieder:

Sinngemäße Wiedergabe Telefontermin mit Frau Wringe, 15. Juli 2021, 13 h

Frau Wringe (W) stellte sich vor und erläuterte, die Teams seien verändert und sie sei mir zugeteilt worden.

W
Hier steht, sie seien Regisseur. Fiktiv.
Andreas Schmidt (AS)
Das kann ich erläutern. Ja, und Autor. Rechtsform des Theaters ist ein gemeinnütziger Trägerverein, dem ich auch vorstünde (ich kam nicht dazu, zu sagen, ich sei künstlerischer Leiter eines Privattheaters und produzierender Regisseur, weil…
W
Das ist ihr Hobby. Sie verfolgen keine Gewinnerzielungsabsicht (was eine glatte Unterstellung hinsichtlich meiner freiberuflichen Tätigkeit ist). – Andere Regisseure suchten sich auch andere Tätigkeiten.
AS
Ich sitze nicht herum, sondern…
W
Das habe sie auch nicht gesagt.
AS
Aber, wand ich ein, ich habe doch bis vor vier Wochen noch gedacht, wir könnten diesen Sommer endlich wieder spielen, bis die Absage drei Tage vor Probenbeginn wegen Zuschauermangels erfolgten musste.
W
ich dachte es ginge überall wieder los, die Leute strömten in die kulturellen Angebote.
AS
Ich erläuterte, dass das vermutlich auch daran läge, dass Eltern Kinder testen lassen, sie kurzfristig für vierzehn Tage vor den Ferien in die Schule schicken und Vorbereitungen für den Urlauben treffen müssten. Zudem hätten wir covid-bedingt schon vier Wochen verschieben müssen, weiter ’nach hinten‘ ginge das aufgrund organisatorischer Gründe nicht. Unser Publikum, wie das anderer Theater, seien noch nicht bereit.
W
Was ich denn für Prognosen für den Winter hätte.
AS
Die könne ich in Anbetracht der Covid-Situation nur mutmaßen. Jedoch würde ich weiter, wie bisher, an den Vorbereitungen, auch wieder zum Winter, arbeiten.
W
Was das genau bedeute?
AS
Nun, der Spielplan mit den Kartenkaufoptionen ist seit Anfang des Jahres online, Karten würden bereits zaghaft gekauft, das Stück dadurch beworben. Die Besetzung stehe und die Print-Werbung würde vorbereitet. Sie könne das alles auch online sehen.
W
Sie sei keine Detektivin, die Zeit habe, ins Internet zu gehen.
AS
Ich habe außerdem viele Anträge zu bearbeiten. Zusagen lägen auch aus den Mitteln von Neustart Kultur vor…
W
Das gehöre schließlich zu meinem Geschäftsmodell, das ich mir ausgesucht habe.
AS
Keinesfalls gehöre es dazu, sondern das sei Covid-bedingt, und das gehöre zu gar keinem Geschäftsmodell. Wir sind normalerweise freifinanziert.
W
Ich würde monologisieren. Dazu reiche die Zeit nicht aus. Sie wolle eine Eingl8iederungsvereinbarung. Aber, sie könne mir das nicht erklären, weil dreißig Minuten dazu nicht ausreichen würden. (Nebenbei bemerkt hat Frau Wringe mich auch einige Male unterbrochen). – Immer spräche ich vom Wir.
AS
Theater könne man nun einmal nicht als Regisseur alleine machen, auch wenn es Solokünstler heiße…und versuchte abermals zu erläutern, was ich als Leiter und Regisseur zu tun habe…
W
Ich solle ihr keine Einführung zum Theater im Allgemeinen geben Die Zeit sei nun um, sie schicke mir die Eingliederungsvereinbarung zu, die ich bitte bis Ende des Monats unterschrieben zurück senden solle. Leider hätte sie sie mir nichts erklären können.
AS
Ich entschuldigte mich nochmals für meine Unterbrechungen.– und
W
verabschiedete sich.

Schreiben von Frau Wringe vom 15.07.2021

nebst Anhang

Daraufhin schrieb ich folgende

E-Mail-Antwort vom 29.07.21, 16:38 h

Ihr Zeichen: 621.w-922D637980

Kd-Nummer: 922D637980

BG-Nummer: 92202/0083487

Sehr geehrte Frau Wringe!

Sehr geehrte Damen und Herren!

In einem Telefongespräch am 15. Juli d. J. mit Frau Wringe bat Sie mich, eine Eingliederungsvereinbarung bis zum 30. Juli zu unterschreiben.

Diese Vereinbarung möchte ich nicht treffen, respektive nicht unterschreiben.

Kurzbegründung:
Im Zuge der Coronakrise und der damit verbundenen Lock- und Shutdowns u. a. für Theater bin ich seit vergangenem Jahr gezwungen gewesen, den vereinfachten „Antrag für Bewilligungszeiträume mit Beginn vom 01.03.2020 bis zum 31.12.2021“ zu beantragen.

Davon ausgehend, dass es das Bestreben der Bundesregierung ist, die künstlerische Arbeitskraft neben anderen Neustart-Hilfen, die tw. bereits zugesagt sind, zu erhalten, nehme ich an, dass der o.g. Bewilligungszeitraum auch für mich gilt. In diesem Punkt bitte ich um Aufklärung, sollte ich falsch liegen.

Als künstlerischer Leiter, „Haus“-Regisseur und -autor des „Berliner KinderTheater“ (berliner-kindertheater.de) waren wir (mithin auch ich), die sommers wie winters zwei große Familientheater-Reihen seit über fünfzehn Jahren erfolgreich aufführen, seit April 2020 und dem Winter-Shutdown bis einschließlich 14. Mai 2021 von Schließung betroffen. Gleichwohl musste ich jeweils alle notwendigen Vorbereitungen für bisher drei -leider abgesagte – Reihen treffen: Theater lässt sich leider nicht einfach anschalten.

Eine Eingliederung ist mir daher unersichtlich, bereite ich doch bereits den Winter 2021 (siehe Spielplan unter o.g. URL) und den Sommer 2022 vor. Wir alle hoffen doch sehr, dass es keinen erneuten Shutdown gibt, der die abermaligen Arbeiten zunichte machen würde, und dass wir wieder aufführen können, was implizit auch Gagenzahlungen bedeuten würde. Daher hängt mein Wohl und Wehe m. E. n. nicht von Eingliederung, sondern von Corona und der Aufhebung damit verbundener Restriktionen ab. –

Sollten weitere Details benötigt werden oder Fragen aufkommen, bin ich gerne bereit, Auskunft zu erteilen und diese auch vor Ort zu klären – ich bin endlich seit einer Woche das zweite Mal geimpft worden.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Schmidt